Travel Jam

Rückkehr Teil 1: Hui Jia – 回家!

Ein Kommentar

Dann war es endlich wieder soweit!

Nach einem Urlaub (2004) und einer Dienstreise (2006) bin ich, knapp 10 Jahre später, wieder in meine alte Heimat geflogen. Noch von meinen letzten beiden Aufenthalten wusste ich, dass sich China mit rasanter Geschwindigkeit verändert, es wird gehämmert und gebaut, ganze Strassen verschwinden und weichen Häuserblocks oder im besten Falle auch mal Grünflächen.

Somit war ich überaus gespannt, was mich alles erwartet.Ich hatte leider nur eine Woche und somit plante ich nur zwei Stationen, 3 Tage wollte ich in Shànghǎi (上海) und 4 Tage in meiner alten Heimatstadt Hángzhōu (杭州) verbringen.

Falls du meinen Bericht aus dem Jahr 1999 gelesen hast, erinnerst du dich vielleicht an meine erste Aversion gegen Shanghai … warum denn ausgerechnet nach Shanghai?! wirst du sicherlich jetzt fragen…

Stadt der Superlative

Ich habe Shanghai während meiner 2 Jahre in China, aber noch mehr bei den beiden Besuchen danach, lieben und schätzen gelernt. Shanghai ist China in komprimierter Form. Man sieht in Shanghai natürlich vorrangig erstmal den Bauboom, der sich über die gesamte chinesische Küstenregion im Osten erstreckt, aber es gibt sie dort auch, die kleinen Oasen, die Parks und die Ruhe.

Hohe und niedrige Häuser, vielstöckige Betonbrücken mit Autobahnen drauf und kleine Fussgängerbrücken aus Holz, breite Strassen und schmale Gassen, riesige Kaufhäuser und kleine Läden, stylische Hotel- und Restaurantketten und kleine, unscheinbare Lokalitäten. Genauso wie mit den Gebäuden und Strassen ist es auch mit den Menschen, es gibt Yuppies, Hippies, Punks, Bauern, Bettler, Leute in Pyjamas und auch Mao-Jacken sind noch immer nicht ausgestorben.

Flanieren am Bund (Shànghǎi wàitān – 上海外滩), der bekannten Uferpromenande von Shanghai oder dem promenadenähnlichen Century Park in Pudong, der anderen Seite des Huangpu Flusses, gehören zum alltäglichen Zeitvertreib. Man wechselt die Seiten am einfachsten durch den Fussgängertunnel und hat gleichzeitig noch den Spassfaktor auf seiner Seite – erinnerst du dich? Chinesen lieben es zu spielen “qú wàn – 去玩“. Der Tunnel flasht mit Lichtspiel, während man ihn in einem kleinen Bähnchen durchquert.

Zusammenfassend kann ich sagen, Shanghai erscheint mir sauber, kultiviert und gar nicht mehr so laut und grauenvoll, wie noch vor einigen Jahren.

Lukullische Maultäschle

Obwohl sehr touristisch, mag ich die Altstadt mit dem Yu Garten (豫园) und dem Jìng’ān Tempel (静安寺) sehr.

Hier kann ich auch gleich ein Restaurant empfehlen! Das Nán Xiáng Mántou Diàn (南翔馒头店) serviert exzellente Dumplings, also Maultaschen. Diese gibt es dort saisonal mit den tollsten Füllungen, wahlweise in der Suppe, gedünstet oder gebraten. Das Restaurant ist aufgeteilt in mehrere Abteilungen, je nach Grösse des Geldbeutels und des Hungers.

Buttrige Croissants & duftender Kaffee

Zwei weitere Stadtviertel finde ich zum Schlendern noch sehr angenehm: die Französische Konzession (frei übersetzt, Tián Zǐ Fāng田子坊) ist bekannt als Art-Deco Oase. Man findet dort heute noch fantastische Croissants und andere leckere Backwaren, die man unter den schattigen Ästen der Platanen in einem der französischen Kaffees verspeisen kann.

Im Zuge der Stadterneuerung wurde das Viertel Xīntiāndì (Neuer Himmel auf Erden – 新天地) für Touristen aufgehübscht und in ein Einkaufs- und Restaurantviertel umgewandelt. Ein altes Kongresshaus der kommunistischen Partei ist in ein kleines, sehr sehenswertes Museum umgewandelt. Und Nachtschwärmer kommen hier auf ihre Kosten, die Kneipen und Restaurantdichte ist riesig.

Die Nánjīng  Road (南京路) ist die Einkaufsmeile in Shanghai. Westliche und chinesische Geschäfte reihen sich hier aneinander. Lustig, interessant, aber kulturell kein wirkliches Highlight.

Wird es hier denn nie dunkel?

Am liebsten ist mir Shanghai bei Nacht. Ich liebe die Essensstände, die Nachtmärkte, die beleuchteten Hochhäuser. Ich finde, die Stadt bekommt dann eine ganz magische Atmosphäre.

In der Dämmerung finden sich auf den Plätzen und in den Parks von Shanghai Menschen ein. Es wird getanzt, gelacht, gespielt oder Tàijí Quán (太極拳) praktiziert. Der Chinese hält sich gerne im Freien auf, die ältere Generation hält sich gerne fit, die Jüngeren flanieren eher oder widmen sich ihrem Smartphone.

Wenn dann spätabends die Lichter ausgehen und auf den Strassen Ruhe einkehrt, wirkt die Stadt wie eine verlassene Filmkulisse. Hie und da hupt ein Auto, bellt ein Hund, wabbert leise Musik durch die tiefen Schluchten. Und dann irgendwann, Stille.

Ich habe mal die Nacht auf den Treppen eines Tempels verbracht. Das erste was ich im Schleier der Morgendämmerung hörte waren die Gongs und die Gesänge der Mönche. In die friedlichen Nebelschwaden mischen sich langsam wieder die Geräusche des erwachenden Drachens. Ein schönes Erwachen.

Der Filmset ist aufgebaut. Kamera ab! Action! Der neue Tag beginnt.

Autor: Travel Jam

Hallo, ich bin Mirjam - Travel Jam. Ich liebe Reisen und Süßes. Sozusagen ist mein Name ein passender Namensgeber für meinen "süssen" Reiseblog.

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  1. Pingback: Entdeckungsreise China reloaded | Travel Jam

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