Travel Jam

Tag 1 – Reykjanes

Unsere erste Tagestour führt uns bereits im Halbdunkel auf die Halbinsel Reykjanes, der Rauchspitze. In difuser Morgendämmerung erreichen wir unseren ersten Stopp. Die Raufarhólshellir Lavahöhle (Noahs Cave). Beziehungsweise erstmal den Parkplatz. Dort steigen gerade ein paar Abenteurer aus einem Unimog und verschwinden im Schneetreiben.

Raufarhólshellir Lavahöhle

Autotür auf. Rausgekämpft in die steife Brise. Der Boden ist glatt, der Wind pfeifft. Wir versuchen uns zu orientieren und folgen der Truppe. Keine Fussstapfen sind mehr zu sehen, alles bereits verweht. Vor uns ein Schneehaufen und ein paar Geröllbrocken. Geht da ein Weg rein, direkt über den Schnee? Ist das etwa der Höhleneingang. Tatsache.

Über die Schneekuppe herüber, Kopf einziehen und unter der niedrigen Decke durch versinkt die Höhle nach unten im Dunkeln. Kurz überlege ich, ob es clever ist hier herunter zu kraxeln. Ohne Seil. Ohne Helm. Ohne Steigeisen. Ohne Kletterschuhe. Bevor sich mein Kopfkino zu laut zu Wort meldet, setze ich mich auf den Hosenboden und rutsche die 10 Meter in die Höhle hinab. Ich gebe Entwarnung nach oben und der Rest der Truppe folgt. Über den Rückweg machen wir uns dann später Gedanken.

Vor uns öffnet sich ein enormes Spektakel an Eiszapfen (auch direkt über unseren Köpfen), Geröllbrocken und Schneeverwehungen. Vorsichtig stapfen wir tiefer in die Höhle. Mit unseren Taschenlampen leuchten wir die Wände an. Man kann gut erkennen, wie die Lava hier durchgeflossen ist und schwarze, gelbe sowie rote Schattierungen hinterlassen hat.

Rückzug. Geht einfacher als erwartet. Der Schnee bietet guten Halt und ist fast wie eine Treppe. Wieder draußen. Der Wind hat nicht nachgelassen. Unsere eigenen Spuren sind wieder weg – glücklicherweise ist der Weg zum Parkplatz nicht weit und wir sehen unsere Autos.

Ab in das warme Vehikel und los… rörörö. Ein sehr bekanntes Geräusch. Durchdrehende Reifen. Festgefahren. Warum sollten sich der Sand in Namibia und der Schnee auf Island auch anders verhalten. Hier liegt es aber nicht am Profil sondern am glatten Eis unter der Schneedecke. Ein paarmal vor und zurück und wir sind wieder frei. Auf geht es zur nächsten Höhle. Arnarker. Kein Drehort.

Kirche am Strand

Kurz vor dem Ziel müssen wir leider abbrechen. Die Straße ist zu sehr verschneit und bevor wir mit unseren Autos nicht weiterkommen oder uns sogar festfahren, lassen wir Verstand vor Abenteuerlust walten und fahren lieber an den Strand. Eine falsche Abfahrt auf einen unbesiedelten Campingplatz, eine Schneewehe und rums. Wir sitzen wieder fest.

5 Mann auf Knien, wild Schnee beiseite schiebend. Einer hinterm Steuer, das Lenkrad von rechts nach links drehend. Und vor und zurück. Vergebens. Wir sitzen fest. Da schallt ein Rufen durch die Luft und ein Anwohner wedelt mit einer Schippe. Nach weiteren 5 Minuten kräftigen Schippens, Schiebens und natürlich auch Fluchens, ruckelt das Auto einen Meter vor auf festeren Schnee. Den Rest zum Strand laufen wir dann besser mal zu Fuß.

Hier zeigen sich unglaubliche Naturgewalten. Die Wellen peitschen ans Ufer, die Gischt schäumt und spritzt, der Wind pfeifft uns um die Ohren. Es ist erst um die Mittagszeit, auch wenn die Bilder hier schon aussehen, als wäre die Sonne kurz vorm Untergehen.

Riftzone

Auf unserer Weiterfahrt zur Blauen Lagune kommen wir an skurilen Lavaformationen vorbei, wundervoll eingeschneit. Einmal aus dem Auto gestiegen, braucht man 2 Hände und viel Willenskraft, um die Tür wieder zu schließen. So kräftig pfeift der Wind von hinten. Auch ist es so unglaublich glatt auf der Straße, dass wir immer wieder ins Schlittern geraten oder auf dem Hosenboden Platz nehmen.

Islandpferde stehen dicht an dicht gedrängt in diesem peitschenden Wind. Ihre Mähnen verstrubbeln und an ihrem Fell hängen kleine Eiszapfen. Tapfere Tiere.

Durch den Plattendrift ist diese Region einer der heißesten Orte Islands. Unter dem Schnee, versteht sich. Das Geothermalgebiet Gunnuhver, 2006 noch Salzsee und seitdem erst wieder vulkanisch aktiver, hat sich vor ein paar Jahren über Nacht in eine sprudelnde und schwefelstinkende Schlammquelle verändert. Achtung, heiß!

Die eurasische und amerikanische Kontinentalplatte entfernen sich pro Jahr um circa 2 Zentimeter, somit bilden sie einen Spalt, der eine weitere touristische Attraktion auf der Halbinsel bietet. Die Brücke zwischen den Kontinenten. Mit Blindheit geschlagen finden wir diese aber nicht und drehen um, um unsere kalten Knochen in der Blauen Lagune aufzuwärmen.

2 Stunden dümpeln wir im 5000 Quadratmeter großen, milchig blauen und warmen Abwassersee. Klingt erstmal nicht so lecker, ist aber gar nicht schlimm. Das für die Stromerzeugung genutzte Wasser, wird nach Gebrauch in die Therme „abgelassen“.
Wir genießen also das 37° – 42° warme Wasser während an Wimpern und Augenbrauen kleine Eiskristalle wachsen.

Total geplättet und bettreif fahren wir zurück nach Reykjavik, essen Fast Food in einem coolen Schuppen – Hamborgarabúlla Tómasar, trinken Bier und fallen hundemüde ins Bett.

200 Kilometer beeindruckende Landschaft! Das war Tag 1 unserer Tour. TourTag1… und weiter geht es:

2. Tag: Wasserfälle, Gletscher, endlos verschneite Weiten, Schneeverwehungen auf den Straßen, damit küssten uns Wind und Muße auf unserer Tour in den Süden. Krönender Abschluss: Traumsonnenuntergang am Strand und Nordlichter.

3. Tag: Der “Golden Circle” steht auf unserem Programm. Gulfoss und Geysir. Peitschender Wind im Þingvellir Nationalpark inklusive und ein Mitternachtsausflug.

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